Die Insel

Die Welt ist voller Geschichten, voller Sagen und Märchen, voller Mythen. Wer wüsste das besser als ein Volk aus der Mitte, welches selbst auf viele große Denker und Erzähler in seinen Reihen zurückgreifen kann. Viele große Ideen kamen aus diesem Volk, das man durchaus als bedeutendes Volk bezeichnen kann. Nicht zu vergleichen mit den Größten, die sich ihre Ideen eher anderweitig besorgen oder noch von den Denkern, Erfindern und Handwerkern profitieren, die das bedeutende Volk in schweren Zeiten auf der Suche nach einem besseren Leben verlassen hatten.

Wenn man es genau betrachtet, ist es auch nicht so richtig ein einzelnes Volk, sondern eigentlich ein Zusammenschluss aus mehreren Völkern, die jedoch einem gemeinsamen Ursprung entstammen. Dieses bedeutende Volk möchte nun aber gar nicht, dass irgendjemand glaubt oder gar sagt, dass es ein bedeutendes Volk sei.

Das liegt zum einen daran, dass es die schon erwähnte große Schlacht verloren, und seitdem mehr und mehr die Einstellung der Größten übernommen hat, dass es neben den Größten niemanden geben kann, der sich irgendwelche Vorstellungen über eine eventuelle eigene Größe und Bedeutsamkeit macht. Es gibt die Größten und viele Kleine – die Welt funktioniert eben nur so.

Zum anderen liegt es daran, dass ihm durch die verlorene große Schlacht gänzlich der Zugang zu dem alten Wissen über seine Größe und Bedeutsamkeit abhanden gekommen ist und auch die Erlaubnis fehlt, darüber nachzudenken.

Dass die Größten um jeden Preis vermeiden wollen, dass sich das bedeutende Volk wieder seiner Größe und Bedeutsamkeit erinnert, muss man verstehen. Schließlich profitieren die Größten immer noch vom Ausgang der großen Schlacht. Nur das Bewusstsein der Schuld, innerhalb des bedeutenden Volks, sichert den Größten letztendlich die Einnahmen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Größten es nicht leiden können, wenn einer von außen Ärger macht, da muss man dann wieder aufräumen, und überdies ist man mit der ganzen Welt auch so schon beschäftigt genug.

Aber das nur am Rande, schließlich wollen wir uns mit der Insel beschäftigen.

Die Insel ist eine große Geschichte oder eine der Mythen oder vielleicht eine Sage – so richtig weiß man das nicht. Viele haben schon versucht, ein bisschen Licht ins Dunkle zu bringen, doch niemand ist bisher auch nur im Ansatz zu einem brauchbaren Ergebnis gekommen. Auch wenn sich das so mancher einbildet.

Es gäbe vielleicht eine Möglichkeit, etwas genaues zu finden, doch man müsste dazu viel lesen, forschen und auch reisen. Doch wer hat dazu heute schon noch die Zeit. Es ist eben nicht mehr so wie beim alten Heinrich, der immer davon überzeugt war, dass er die Stadt aus den alten Geschichten finden würde, die alle nur für ein Produkt der Phantasie von ein paar ollen Griechen gehalten haben. Er hat einfach nicht aufgegeben. Am Ende hat er sie dann auch gefunden, und alle waren überrascht. Natürlich braucht man auch eine gute Portion Glück, vor allem aber die Fähigkeit zum Denken, zum Kombinieren und Durchhaltevermögen. Diese Eigenschaften scheinen aber im bedeutenden Volk ausgestorben zu sein – von den anderen Völkern der Welt kann man in dieser Beziehung wohl auch nicht unbedingt viel erwarten.

Was soll es nicht alles auf der Insel gegeben haben. Was man sich auch nur erträumen kann. Alle haben von allem genug. Es gibt wunderbare Landschaften, gesundes Essen, alle vertragen sich und alle sind ziemlich schlau. Nur die genaue Lage ist einfach nicht herauszubekommen.

Wahrscheinlich gab es da unter den Inselbewohnern auch ein paar vom Schlage der Größten, denn irgendwann soll ja diese Insel durch eine von ihren Bewohnern ausgelöste Katastrophe untergegangen sein – heißt es jedenfalls.

Aber so ist es halt immer: egal wie gut die ganze Sache läuft, es gibt stets ein paar Leute, die meinen, sie könnten alles noch besser machen – zumindest für sich selbst. Dass das meist im Untergang endet, das kann man aus vielen, vielen Geschichten erfahren, über Königreiche und Welteroberer und Mächtige, die nie genug bekommen konnten.

Doch was, wenn die Insel gar nicht in der Welt, sondern nur auf der Erde existiert hätte?

Ein Vogel, Admiral genannt

Die uns bereits bekannten Götter, die mit der großen Welt – auch als die Größten bekannt -, sind mit der Welt ziemlich beschäftigt. Aus diesem Grund haben sie auch eine richtig große Menge an Personal, das natürlich versorgt und beschützt werden muss. Vor allem der Schutz hat absolute Priorität. Nichts ist schließlich störender, als jemand von außen, der sich nicht an die von den Größten aufgestellten Spielregeln hält und Ärger macht.

 

So hatten die Größten gerade erst wieder eine aufreibende Schlacht gewonnen. Das kostete zwar schon den einen oder anderen ihrer Krieger das Leben, doch alles hat schließlich seinen Preis. Auf der anderen Seite bringen Schlachten ja immer auch Vorteile mit sich, das darf man nicht unterschätzen.

 

So konnten sie nach der Schlacht eine doch insgesamt positive Bilanz ziehen: jede Menge wertvoller Informationen, die selbst ihnen noch nicht bekannt waren, einige kluge Köpfe dazu, die sich willig den Siegern zur weiteren Verfügung stellten und natürlich den Saft des Lebens: Tauschmittel jeglicher Art, welche die Besiegten auf unbestimmte Zeit würden liefern müssen. Was will man mehr.

 

Aber das nur am Rande. Wir wollen uns schließlich mit dem Vogel beschäftigen.

 

Dieser Vogel war ein richtiger Draufgänger und für ein Vergnügen immer zu haben. Die eben gewonnene Schlacht hatte, wie gesagt, ein paar interessante Informationen eingebracht, denen die Größten gerne nachgehen wollten, und da war der Vogel der richtige Heroe, um der Sache auf den Grund zu gehen. Weil bei den Größten alles etwas größer ist, als bei anderen, haben sie dem Vogel ein paar Leute mehr – ungefähr 4700 -, dazu 13 Schiffe und einige Flugzeuge mitgegeben.

 

Es ging bis ans Ende der Welt. Dort gab es zwar eigentlich nur Eis, doch man hatte aus den Informationen erfahren, dass man wohl auch kleine Seen und eisfreie Oasen finden könne. Ganz davon abgesehen, was es womöglich unter dem Eis zu holen gab. Das würden die speziell Geschulten, die bei dem Ausflug dabei waren, schon herauszufinden.

 

Der Vogel erklärte später auf dem allgemeinen Mitteilungsgerät, dass es für wenigstens hundert Jahre jede Menge Schätze jeglicher Art abzuholen gäbe. Insgesamt, so wurde gesagt, habe sich der Ausflug im Sinne der Größten außerordentlich gelohnt. Verschwiegen wurde allerdings, dass bei der Rückkehr des Heroen einige der Mitreisenden leider gefehlt haben, und dass sich nur kurze Zeit später die ganze Welt dazu entschlossen hat, auf das Abholen sämtlicher Schätze aus Rücksicht auf die schöne Natur zu verzichten.

Doch was, wenn das nur daran lag, dass jemand am Ende der Welt gesagt hat: Ihr kommt hier nicht durch?

 

 

Begründetes Anfangswissen

“Man muss nicht alles wissen, man braucht nur zu wissen, wo was steht.“
Das war die Einstellung meines Lehrherren, der als Anwalt für mich damals ein Vorbild in Sachen Wissen zu sein schien – und Bücher waren schon immer meine große Leidenschaft.

Im Laufe der Zeit habe ich Bücher geradezu verschlungen und mir viel Wissen angeeignet. Bei einem Thema hängengeblieben bin ich selten, sondern vom “Hölzchen auf’s Stöckchen gekommen“, wie meine Großmutter immer so schön sagte.

Natürlich könnte man sagen, dass ich dadurch von allem wenig weiß, und das mag auch stimmen, doch ich habe ein “begründetes Anfangswissen“, auf das sich aufbauen lässt – ich weiß meist, was wo steht, für den Fall, dass ich tiefer einsteigen möchte.

Seitdem es das Internet gibt, ist der Zugang zu Informationen so rapide angestiegen, dass es mir möglich war, schneller mehr Wissen anzusammeln. Dies führt dazu, dass sich Verbindungen im Kopf zusammenfügen, die vorher kaum möglich und durch eingeschränkten Zugang zum jeweiligen Interessensgebiet manchmal auch undenkbar waren.

Gerade in der letzten Zeit habe ich Zusammenhänge erkannt, die denkbar, doch unfassbar zu sein scheinen. Mein begründetes Anfangswissen führt mich zu folgender Geschichte.

‚Vor einiger Zeit lebte auf einem schönen Flecken dieser Erde, von Wasser umgeben, ein Völkchen, das völlig mit sich selbst beschäftigt war. Ganz besonders stolz war das Völkchen auf die vogelartigen Gebilde, die seit Generationen von ihnen aus allen möglichen Materialien ihrer Umgebung gebaut wurden.
Eines Tages kamen Götter zu ihnen, und diese Götter erteilten den kräftigsten Mitgliedern des Völkchens eine Aufgabe. Sie sollten für die Götter kämpfen. Göttern widerspricht man eher selten, und so trugen die neuen Krieger bald stolz die drei Buchstaben des Namens der Götter auf ihrer Brust und zogen in den Kampf.

Die neuen Krieger haben ihren Job wohl ordentlich gemacht, denn die Götter luden einen aus ihrem Völkchen zum Dank zu einer Reise in das Reich der Götter ein.

Das war für diesen Menschen eine unglaubliche Reise, hatten die Mitglieder des Völkchens doch bisher geglaubt, ihr Flecken Erde sei alles, was in dieser Welt existierte – und jetzt das. Die Götter präsentierten ihm eine eigene, große Welt.

Zurück bei seinem Völkchen erzählte der Mensch von seinen Erlebnissen. Was ihn richtiggehend schockiert hatte, war die Tatsache, dass diese Götter doch tatsächlich die Ideen ihres Volkes gestohlen und nachgebaut hatten – und sie nannten sie Flugzeuge.

Alle waren sich darüber einig, froh zu sein, dass ihre Welt mit der der Götter nichts zu tun hatte. Ihre Welt war die Insel, und nur die existierte.‘

Wilde halt, die es nicht besser wissen.
Doch was, wenn unsere Welt auch eine Insel wäre?