Sonntagsgedanken – Freiheit

Niemand ist hoffnungsloser versklavt als jene, die fälschlicherweise glauben, frei zu sein.                                        Johann Wolfgang von Goethe

 

Wenn man in Deutschland Menschen fragt, ob sie frei sind, dann werden die meisten vermutlich mit „ja“ antworten.

Doch haben diejenigen, die so antworten, schon einmal darüber nachgedacht, was Freiheit wirklich bedeutet.

Ich habe es kürzlich getan und mir zunächst überlegt: Was ist Freiheit nicht.

Du bist nicht frei,

  • wenn Du jeden Morgen aus dem Haus gehst, um Dinge zu tun, die Dir ein anderer Mensch aufträgt,
  • wenn Du gezwungen bist, Anweisungen Folge zu leisten, deren Ausführung Du eigentlich ablehnst – nur weil Du „das Geld benötigst“,
  • wenn Du glaubst, nicht sagen zu können, was Du wirklich denkst,
  • wenn Du der Meinung bist, dass andere Menschen das Recht haben, Dir sagen können, was Du tun und lassen sollst,
  • wenn Du, um Bestrafung zu vermeiden, auch unsinnigen Regeln Folge leisten musst,
  • wenn Du in Deinem Garten nicht anpflanzen darfst, was Du willst,
  • wenn Du akzeptierst, dass Dir jemand anderes sagt, welche Lebensmittel für Dich gesund sind,
  • wenn Du nicht wohnen darfst, wo es Dir am besten gefällt,
  • wenn Du glaubst, Du müsstest tolerant sein,
  • wenn Du gezwungen bist, für Dinge, die Du zum Leben benötigst, zu „bezahlen“,
  • wenn Du für Dinge bezahlen musst, die Du gar nicht haben willst,
  • wenn Du Dir vorschreiben lässt, was für Deine Gesundheit das Richtige ist,
  • wenn Du glaubst, dass Dir jemand sagen kann, welche Kleidung Du tragen solltest oder auch
  • wenn Du denkst, Du hast mehr vom Tag, wenn Du an der Uhr drehst.

Nein, Du bist ganz sicher nicht frei, wenn Du nicht das tun kannst, was Du aus tiefstem Herzen gerne tun würdest. Alles, was Dich davon abhält, Du selbst zu sein, in Dir zu ruhen, und Dich mit dem zu beschäftigen, was Dir entspricht, steht dem entgegen, was Freiheit bedeuten würde.

Doch die Freiheit verlangt auch etwas von Dir, nämlich: die Übernahme der Verantwortung für alles, was Du tust. Und Du kannst nicht frei sein, wenn Du nicht auch anderen Menschen die Freiheit gibst, das zu tun, was ihnen entspricht.

 

Verantwortung ist etwas, womit viele Menschen nicht umgehen können – lieber die Pille nehmen, die der Doktor empfohlen hat; lieber tun, was man Dir sagt, dann gibt’s auch keinen Ärger; die Regierung weiß schon, was richtig ist; die Polizei passt schon auf, das alles sicher ist, und so weiter und so fort.

 

Ich fürchte, es ist schwierig, wirklich frei zu sein – wenn es überhaupt möglich ist. Zu sehr sind wir schon so lange eingeschränkt, selbst in unserem Denken. Zu sehr unterliegen wir Zwängen, denen wir nicht so einfach entgehen können. Zu viele Fäden halten uns in Abhängigkeiten, derer wir uns kaum bewusst sind. Zu groß ist die Verschleierung der Sicht auf die Dinge hinter den Dingen, die wir nicht lüften können. Zu oft hat man uns in die gewünschte Richtung gebogen, als dass wir noch in der Lage wären, aufrecht uns selbst zu vertreten.

 

Doch ist es schon ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man beginnt zu erkennen, dass man eben nicht so frei ist, wie man denkt. Man kann sich – vielleicht auch nur in kleinen Schritten – seiner Freiheit nähern. Auch mal sagen, was man denkt, und dazu stehen. Auch mal schauen, was man für seine Gesundheit tun kann, statt zu erwarten, dass es der Arzt „schon richtet“.  – Auch mal einen grünen Pullover tragen, wenn gerade Grau „angesagt ist“.

 

Die Fesseln erkennen, sie langsam lösen und irgendwann einmal abstreifen …

 

 

 

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